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Schriftstellerecke - hier darf gnadenlos nach Regeln kritisiert werden
#11
Hallo **Stella**

Wenn man an einer Stelle festgefahren und einfach mit ihr nicht zufrieden ist, dann ist das definitiv ein Zeichen dafür, dass da der Wurm drin ist.

Ich zitiere dich mal:

**Stella** schrieb:es ist also eine Zusammenfassung quasi. Und – ich hasse das. Ich schreib so viel lieber in "Echtzeit"


**Stella** schrieb:Ich schreib wahrscheinlich echt einfach nicht gern Zusammenfassungen, jedenfalls nicht so lange, bei kurzen Erinnerungen ist es was anderes, die liebe ich sogar.

**Stella** schrieb:Wenn nur nicht dieser be******** Brief wäre Rolleyes

Da drängt sich mir die Frage auf, warum du ihn unbedingt schreiben musst?
Klar, es wäre eine nette Idee.
Aber wenn er dir nicht liegt, und wenn du damit solche Probleme hast, würde ich mal die Existenz dieser Passage überhaupt überdenken.
Klar, das ist hart.
Wenn man viel Zeit für eine Textstelle aufgebracht hat, dann will man gar nicht darüber nachdenken, ihn letztendlich zu verwerfen. Doch, das Schlimmste am Schreiben ist eigentlich, dass sich gerade das Löschen bestimmter Passagen, ja manchmal sogar ganzer Kapitel lohnen.

Stell dir die Frage, wie notwendig sie für das Verständnis der Geschichte ist.

**Stella** schrieb:Mich gähnt das Lange an und ich find, so ist auch ein bisschen der Text geworden.
Klar, ich kenne nur diesen Ausschnitt. Aber da kann ich dir nur sagen: Vertraue auf dein Bauchgefühl! Das ist DEINE Geschichte, und wenn du es schon gähnend findest, dann kommt das oft auch so beim Leser rüber.

**Stella** schrieb:trotzdem sind das Infos, die man vorher braucht und überhaupt

Wirklich?
Ich stelle die Frage nicht ohne Grund. Und sie ist erst Recht nicht böse gemeint.
Leider ist das nur eben der größte Fehler beim Schreiben. Der Schreiber, vielleicht weil er seine Story ja so gut kennt, sieht sich immer in der Pflicht erklären zu müssen.
Das häufigste, das bei Manuskripten angemerkt wird ist folgendes: RUE ("Resist the urge to explain!!", sprich man soll dem Drang widerstehen, erklären zu wollen.)
EDIT: Ich habe mir diesen Spruch übrigens ausgedruckt und direkt an meinem Laptop-Bildschirm geklebt. So wichtig ist er!
Siehe Google: Resist the Urge to explain

Als Schreiber denkt man oft, der Leser braucht erst diese, dann jene Erklärung um in eine Geschichte richtig eintauchen zu können. Das Fatale ist, dass das jedoch nicht stimmt, sondern genau das Gegenteil der Fall ist.

Ein weiteres Beispiel: Ich habe einen Text von mir einem Betaleser zum Lesen gegeben. Ich bekam ihn zurück, mit dem Kommentar, dass er irgendwie verwirrend war. Dann habe ich ihn überarbeitet. Ich habe noch mehr erklärt und ihn wieder zum Lesen gegeben. Es wurde nur noch schlimmer.
Und dann habe ich es anders herum versucht: Ich habe alle Erklärungen aus meinem Text gestrichen. Und zwar wirklich ALLE. Und wie fand ihn mein Betaleser? Vieel besser.

Erklärungen verwirren. So absurd es sich auch anhören mag, aber tatsächlich ist es so.

**Stella** schrieb:bei kurzen Erinnerungen ist es was anderes, die liebe ich sogar.
Genau so würde ich an deiner Stelle mit den Informationen verfahren, die du in dem Brief unterzubringen versuchst.

Erläutere und Erkläre nebenher. Das erhöht auch die Spannung. Du kannst dir ja mal ein beliebiges Buch der Neuzeit aus dem Regal greifen und die erste Seite lesen. Wieviel wird erklärt?
Natürlich ist es in letzter Zeit sehr stark in Mode, Prologe zu schreiben. Aber das hält den Leser eigentlich nur von der tatsächlichen Geschichte fern. Entweder soll etwas mystisch angedeutet werden, oder es werden Informationen preisgegeben, die angeblich wichtig seinen oooder sie sind ein exaktes Zitat eines Textes, der viel später in der Geschichte nochmals auftaucht.
Beim ersteren und letzterem, wird versucht Spannung aufzubauen und den Leser sofort neugierig zu machen. Das mittlere ist überflüssig.
Allerdings baut man Spannung am Besten auf, wenn man einfach mit der eigentlichen Geschichte beginnt.
Und genau dafür scheinst du ja doch eine Vorliebe zu haben:

**Stella** schrieb:Ich schreib zu gern Dialoge, ich muss die quatschen lassen, meinen Senf da reinhauen können, dann find ich den "Produktionsprozess" Schreiben spannend.
Wenn ich das lese, geht mir wahrlich das Herz auf! Dialoge sind nämlich auch Handlung - und zwar die aktivste und dynamischste Art von Handlung. Sie reißt den Leser sofort mit.
Die Frage ist, warum du dann ausgerechnet zu Anfang deiner Geschichte sofort mit einem Brief auf die Bremse treten willst? Es ist nicht notwendig, den Leser langsam in eine Geschichte einführen zu müssen. Du kannst eigentlich sofort ans Eingemachte gehen und loslegen.

Wenn man den Text ließt, denn du hier öffentlich gestellt hast, fällt mir sofort eins auf: es ist eine Nacherzählung. Das heißt, du erzählst die Geschichte langwierig nach, anstatt sie einfach zu zeigen.
Kein Wunder, dass du Schwierigkeiten mit dem "Brief" hast, denn eigentlich ist er gar keiner.

Willst du auf die Briefform tatsächlich nicht verzichten,
dann mach doch einen Selbsttest.
Setze dich hin, mit Stift und Papier und tu so, als schriebst du einen Brief an deine Freundin über die Ereignisse der letzten Woche. Ich wette mir Dir, wenn du fertig bist, würdest du keinen solchen Satz in deinem fiktiven Brief finden:

**Stella** schrieb:Er fuhr mit mir an den Stadtrand, parkte den Wagen versteckt zwischen ein paar Bäumen und stieg aus.


Hier brichst du mit der Form des Briefes. Denn hier willst du sehr wohl Spannung beim Leser erzeugen. Du beschreibst die Handlung stakkatohaft. Stück für Stück. Genau das ist ja auch richtig so - WENN man eine Geschichte schreibt. Aber hier willst du ja keine Geschichte, sondern einen BRIEF schreiben.
Jemand der in eine Brief etwas erzählen will, verhält sich so wie bei der wörtlichen Rede. Er folgt keinem Spannungsmuster. Man folgt einem ganz anderen Muster.
Dein fiktiver Briefschreiber weiß ja, wie die Geschichte ausgeht. Warum sollte er dann noch künstlich Spannung hineinbringen? Und dann auch noch so detailliert, als passiere es gerade?
Wenn ich etwas in einem Brief schreiben will, dann schreibe ich nicht um den heißen Brei herum, sondern komme sofort zum Punkt.
Dein fiktiver Briefschreiber lässt Fragen offen, die man in einem Brief niemals offen lassen würde.

Nehmen wir mal an, Matt's Schwester Caroline, die Matt am 20. Oktober mit dem Auto abholt, ist in dieser Nacht von ihrem brutalen Freund geflohen, mit der Hilfe ihres Bruders.
Nehmen wir weiter an, dass der fiktive Briefschreiber sich ganz allmählich, trotz Ehefrau und Tochter, in sie verliebt.
Das sind alles schon Dinge, die der Briefschreiber ja schon weiß, weil sie, zu dem Zeitpunkt, in dem er den Brief schreibt, schon längst passiert sind.
Das würde niemand lange als Information in einem Brief vor sich herschieben.

Schwesterherz,

ich weiß, dass ich mich lange nicht mehr bei dir gemeldet habe. Aber in den letzten Tagen war so viel los, dass ich einfach keine Zeit hatte. Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll, aber sollte dich XY(die Ehefrau) bei dir melden, dann wunder' dich nicht, wenn sie nicht gerade freundlich über mich redet.
Um's kurz zu machen, wir haben uns getrennt.
Ich weiß. Ich weiß. Ich kann mir schon vorstellen, was du denkst: Wir sind doch erst seit kurzem verheiratet. Wir haben eine kleine Tochter. Wie konnten wir uns nur trennen!
Aber das alles, ist nicht so einfach.
Weißt du noch, als ich dir am Telefon erzählt habe, dass Matt seit Neuestem in jedem Raum Kalender aufgehängt und ich ihn für verrückt erklärt habe?! Der hat sich aufgeführt wie ein Irrer. Der konnte an keinem vorbeilaufen, ohne einen Blick drauf zu werfen. So als litt der plötzlich unter Alzheimer und würde ständig vergessen, was für ein Tag gerade war.

Der nächste Knackpunkt, warum dein Brief nicht wie ein Brief funktioniert, ist die Tatsache, dass er zu handlungsorientiert und objektiv geschrieben ist. Ein Briefschreiber schreibt viel mehr Ich-Zentriert und subjektiv. Er geht mehr auf seine eigenen Gefühle und Meinungen ein, aber auch auf seinen Gesprächspartner. Man bringt zum Beispiel Kontexte ein, die nur der Briefschreiber und der Briefempfänger wissen, allerdings nicht ein außenstehender Leser.
In meinem Beispiel oben, erinnert der fiktive Leser seine Schwester daran, dass sie telefoniert haben und er sich damals schon über Matts damals unerklärliche Macke beschwert hatte. Das macht den Brief gleich ein kleines bisschen plastischer.

Nächster Punkt:

**Stella** schrieb:Wenn man darüber nachdenkt, der Liebe seines Lebens gegenüber zu stehen, ist man der Meinung, man müsse es sofort merken. So als müsse es da ein unsichtbares Band geben, das einen geradezu zueinander ziehen würde. Als müsse die Bestimmung füreinander so allmächtig sein, dass niemand sie ignorieren kann.


Was fällt Dir an dieser Stelle auf?!

Wenn man einmal dahinter gekommen ist, dann springt es einem förmlich ins Auge.

Autoren tun eigentlich (um es hart auszudrücken) nichts anderes als Lügen. Breites Grinsen
Natürlich weiß, der Leser, dass man ihn anlügt, schließlich ist es ja nur eine fiktive Geschichte. Sie ist nicht real. Trotzdem will man als Leser nicht merken, dass man angelogen wird.

Wenn wir etwas sagen, dann tun wir das sehr stark ich-zentriert. Wir benutzen sehr, sehr oft das Wörtchen ich. So platt und simpel das auch scheinen mag.
Flunkern und lügen wir jedoch, wechseln wir fast automatisch von der natürlichen Ich-Perspektive zur unpersönlichen Perspektive und benutzen unzählige Male "man". So als beträfe uns unser Gesagtes gar nichts selbst. Was ja im Falle einer Lüge auch stimmen würde.
Warum also lässt du deinen fiktiven Briefschreiber gerade bei dieser wichtigen Passage "man" schreiben, so als beträfe es ihn gar nicht?!

Wenn ich ehrlich bin, habe ich immer gedacht, ich würde merken, sollte ich je der Liebe meines Lebens gegenüberstehen. Du weißt schon. Herzrasen. Bauchkribbeln. All so ein Zeug eben.
Vielleicht hast du mich damals einfach zu oft gezwungen, mir diese kitschigen Hollywoodschnulzen mit dir anzusehen. Aber ich habe echt geglaubt, so würde das ablaufen.
Und dann ist es ganz anders gekommen.


Bei dem Schreiben eines fiktiven Briefes kann ich dir nur raten:

1. Schreibe persönlich, gefühlsorientiert, gehe mehr auf die Gedanken des Schreibers selbst ein.

Zum Beispiel hier:
**Stella** schrieb:Die ersten beiden Jahre unseres Zusammenlebens lief sie quasi neben mir her, fiel mir nicht weiter auf.
**Stella** schrieb:Natürlich war sie hübsch, geradezu bezaubernd in ihrer zarten, feenhaften Schönheit, aber sie war eben einfach ein kleines Mädchen.

Das ist der erste Eindruck die der fiktive Schreiber von Caroline hat und es hört sich gar nicht an, wie ein persönlicher Eindruck, sondern einfach nur wir eine Erzählung durch einen stilistischen Erzähler.

Weiß du was verrückt ist? Caroline ist mir zuerst gar nicht wirklich aufgefallen. Klar, sie ist hübsch. Ja, sie hat sogar etwas feenhaftes an sich. Aber eigentlich war sie für mich nichts anderes, als ein kleines Mädchen.

Nicht: sie fiel nicht weiter auf
Sondern: sie fiel MIR nicht weiter auf

Nicht: sie war ein kleines Mädchen
Sondern: FÜR MICH war sie nur ein kleines Mädchen

2. Versuche beim Schreiben nicht zwingend Informationen unterzubringen, die nicht notwendig sind.

Frage dich, warum schreibt dein fiktiver Schreiber einen Brief. Was ist seine Intention? Was will er sich von der Seele schreiben? Lass ihn nur das Schreiben, was er loswerden will. Nicht mehr, denn das macht kein Mensch beim Schreiben.

3. Kein künstlicher Spannungsaufbau und Detailorierntiertheit

Niemand weiß ganz genau, was nach und nach passiert ist, wenn das Ereignis schon eine Weile zurückliegt. Noch nicht einmal ein Mensch mit einem beachtlichen Elefantenhirn. Breites Grinsen
Das heißt, dass auch niemand in einem Brief schreiben würde:

**Stella** schrieb:Er fuhr mit mir an den Stadtrand, parkte den Wagen versteckt zwischen ein paar Bäumen und stieg aus.

AUßER dieses spezielle Ereignis steht in einem emotionalen oder geistigen Zusammenhang.
Zum Beispiel so:

Er fuhr mit mir an den Stadtrand, sagte mir aber nicht, was er da wollte. Er war die ganze Fahrt über schon so still gewesen. Normalerweise plapperte er wie ein Wasserfall. Mir war das Ganze einfach nicht geheuer. Und als er zwischen ein paar Bäumen parkte, hatte ich echt den Verdacht, wir würden uns verstecken. Als täten wir irgendetwas Illegales.

Last but not least: 4. Selbstverarsche Breites Grinsen

Du schreibst nicht über einen Jan, der einen Brief schreibt. Du bist Jan und du schreibst gerade einen Brief an deine Schwester. Frage dich weniger, was muss der Leser alles wissen. Was für Informationen muss ich in diesen Brief packen, damit der Leser die Geschichte versteht. Glaub mir, auch mit weniger Informationen, als du dir vorgestellt hast, wird er sie verstehen. Manchmal ist es sogar besser bestimmte Informationen gaaaanz am Ende einer Geschichte zu platzieren oder sie einfach wegzulassen.
Mache den Inhalt des Briefes nicht von DEINER Intention als AUTOR abhängig, sondern von DEINER Intention als BRIEFSCHREIBER.
Also: Du bist Jan. Du schreibst einen Brief an deine Schwester. Was ist passiert? Und was willst du deiner Schwester tatsächlich schreiben?
Auch das ist ein wichtiger Unterschied. In einem Brief musst du dich nicht an die tatsächlichen Ereignisse halten. Das ist nicht, worauf es in einem Brief ankommt.
Blende beim Schreiben einfach aus, dass du eine Geschichte erzählen willst, sondern schreib ganz unabhängig einen Brief, so als würdest du es tatsächlich tun.

Ich hoffe, du fasst meinen überlangen Kommentar nicht als einen riesigen Kritik-Katalog auf. Um Gottes Willen - Nein!Erschreckt
Das soll er gar nicht sein.
Ich schreibe nur leider so leidenschaftlich gerne, dass ich mich wahnsinnig in allem, was damit zu tun hat, verlieren kann und wirklich sehr gerne mit Rat und Tat zur Seite stehe. Mehr nicht.
Vielleicht konntest du dir ja einige Tipps abgreifen. Aber es ist auf gar keinen Fall ein Muss. Wink2

Das Wichtigste am Schreiben ist ja, dass es Spaß machen soll, und wenn du an dieser Textstelle keinen Spaß hast, dann solltest du dich nicht unnötiger Weise mit ihr quälen.
Schreib genau das, womit du dich wohl fühlst!Breites Grinsen

Liebste Grüße,
Phoenyx

EDIT: Da fällt mir ja gerade noch etwas ein. Ja, ich weiß, ich bin schlimm. Blushnew
Es gibt auch noch einen weiteren Aspekt, der aber mehr das Schreiben in der Geschichte, als in einem Brief betrifft.
Show, don't tell!
Also nicht erzählen, sondern zeigen!

Zum Beispiel an dieser Stelle:


**Stella** schrieb:Matt spielte ihren Beschützer. Wenn sie im Club angegraben wurde, wurde er zum Tier. Ein paar Mal mussten wir ihn mit vereinten Kräften davon abhalten, einen der aufdringlichen Gäste krankenhausreif zu schlagen, weil er ihr schöne Augen gemacht hatte.

Erstens wäre das so eine Information, die du getrost in der Story verarbeiten kannst. Im Brief gehen sie quasi ein wenig unter? Warum? Weil du das erzählst. Alles, was erzählt werden muss, wirkt nur halb so stark als wenn du es direkt zeigst.

Ich zitiere mal Wikipedia:

Wikipedia schrieb:Statt zu berichten …[INDENT] „Frau Kleinschmidt war eine Klatschtante.
Immer fand sie etwas, das sie weitertratschen konnte.“
[/INDENT]… soll der Autor zeigen:[INDENT] „Sie öffnete einen schmalen Spalt zwischen den Blättern der Jalousien, so dass sie den VW sehen konnte, der in der Auffahrt hielt. Sie blinzelte, um den muskulösen Mann besser sehen zu können, der aus dem Auto stieg und dann in Richtung der Eingangstür ging. Als er klingelte, rannte Frau Kleinschmidt zum Telefon: ‚Charlotte, du wirst nicht glauben, was ich gerade gesehen habe!‘“ [/INDENT]
Die Wirkung der Szene ist gleich viel stärker. Und zudem ist es schade, wenn du Matt's fast übertriebene Bruderfürsorge mit ein paar erzählten Sätzen abhandelst.
Ich nehme mal an, dass Matt alles andere als begeistert sein wird, wenn Jan Gefühle für Caroline entwickelt. Dann zeige das lieber aktiv in der Geschichte. Das brauchst du für den Leser nicht vorher noch anzudeuten. Lass die Leser das selbst entdecken.

Ich nehme mal ein hier im Forum prominenteres Beispiel: Mona Lisa hat in den ersten Kapitel von LLuD kein einziges Mal erzählt, dass Maddy auf der Schwelle zur Alkoholsucht steht. Nö. Stattdessen hat sie peux a peux immer mal wieder gezeigt, wie erschreckend oft Madleen zum Weißwein greift.
Klassisches Prinzip von Show don't tell.

Ich erwähne das nicht ohne Grund, sondern weil mir öfters aufgefallen ist, dass du Infos einbringst, die du nacherzählst und dabei auf großartige Szenen verzichtest, die du aktiv gestalten könntest. Anstatt zum Beispiel im ersten Kapitel von "Der Teufel im Detail" nachzuerzählen, wie schwer es die Geschwister teilweise hatten, den Erwartungen ihrer Mutter gerecht zu werden, hättest du auch einfach die Mutter zum Abendessen mit einladen können. In den Gesprächen könntest du so direkt zeigen, dass die Mutter nicht viel von ihrem Sohn, aber umso mehr von ihrer Tochter hält.
Außerdem ist das noch dazu ein klassischer Fall von Infodump.
Ich weiß, schon wieder so eine Begrifflichkeit - sorrrryyyyyy. Blushnew
Aber vielleicht magst du ja hier mal reinschauen.
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#12
Huhu Phoenyx,

Kompliment und vielen Dank für deine Ausführungen. Ich konnte mir echt viel aus deinem Beitrag rausziehen. Für mich waren deine Erklärungen logisch und einleuchtend. Ich will nicht damit sagen, dass du auch Quatsch erzählt haben könntest *lach* nein, nein.. ich wollte damit ausdrücken, dass selbst ich als Laie auf diesem Gebiet es kapiert habe. Darum fand ich deinen Beitrag super Thumbs1

Liebe Grüße
MonaL.

1. Fotostory: Liebe, Leid und Dramen [beendet] 2. Fotostory: Michele Montebello ~ Ein geprägtes Leben

[Bild: siggi1debrc.jpg]
3. Auch ein abgewracktes Leben will niveauvoll gelebt werden / Nur 1 Teil

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#13
Fabelhafte Erläuterungen, Phoenyx !
[SIGPIC]http://www.sims-3.net/forum/image.php?type=sigpic&userid=2370&dateline=1248367639[/SIGPIC]
[Bild: werkstatt.png]
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#14
Guten Morgen!!!Breites Grinsen

Ich finde das ja krass, dass meine langen Kommentare überhaupt gelesen werden.
Wenn ich anfange zu schreiben, denke ich immer: ach ich lasse mal kurz einen Kommentar da, und dann brauche ich dafür plötzlich eine Stunde.

Da bin ich ja sehr erleichtert, dass mein Kommentar doch noch recht anschaulich gelungen ist. Schließlich soll er ja helfen.

Ich habe mein Wissen über das Schreiben ja auch nicht einfach so aus dem Nichts erhalten. Mir wurden sie auch erklärt. Das ist ja gerade das Witzige: In dem Moment, in dem sie mir erklärt wurden, platze in mir plötzlich ein Knoten und ich habe oft gedacht: "Verdammt, wieso bin ich nicht selbst drauf gekommen!"
Andere Dinge fand ich hingegen selbst verblüffend. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass man nicht annähernd so viel erklären muss, wie man selbst immer meint. Und es stimmt tatsächlich! Ich finde es echt faszinierend. Breites Grinsen

Tja, ihr habt euch hier mit mir nen kleinen Schreib-Nerd angelacht. Wink2

Liebste Grüße!
Phoenyx
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#15
Phoenyx Cuinlove Meine Rettung Breites Grinsen Also wirklich, vielen, vielen Danke für die Mühe, sowas war genau das, was ich mir erhofft habe. Wobei nein, eigentlich war das viel mehr, denn mit so nem Roman hab ich gar nicht gerechnet Wink2 Ich finds super und bin gleich wieder ein bisschen motivierter Nicken

Phoenyx schrieb:Stell dir die Frage, wie notwendig sie für das Verständnis der Geschichte ist.
Ich muss nochmal in Ruhe drüber nachdenken, aber ich glaub, das ist sie. Ich könnte das wahrscheinlich kürzen, käme mir auch gelegen, weil ja... ich mags ja nicht Freu Aber ganz weglassen - puh, dann müsste ich alles komplett neu aufbauen, weil ich schon Folgekapitel habe, die halt mit den Infos daraus arbeiten. Hm. Und ist echt so, meine verdammt Arbeit Breites Grinsen Ich wills noch nicht verwerfen, da probier ichs lieber mit dem Umschreiben aus, mach erstmal ein paar verschiedene Versionen von den paar Briefkapiteln, als dass ich dann alle auch darauffolgenden nochmal neu machen muss.

Das Ding ist auch, dass das, was da erzählt wird, nicht die eigentliche Geschichte ist, also im Grunde geht es um nochmal was anderes. Ein paar Infos brauch ich vorher, denke ich, doch sicher nicht alle, das stimmt.
Aber ich hab schon ne Idee, wie ichs anders machen könnte, um den Brief kurz zu halten. Muss mal gucken, aber da kann ich jetzt nicht drüber quatschen, sonst spoiler ich. Breites Grinsen Aber das wären dann kürzere Erinnerungen, würde mir leichter fallen.

Phoenyx schrieb:Nicht: sie fiel nicht weiter auf
Sondern: sie fiel MIR nicht weiter auf

Nicht: sie war ein kleines Mädchen
Sondern: FÜR MICH war sie nur ein kleines Mädchen

Das ist ne super Anmerkung, wenn ich mir auch den Rest durchlese, den ich hier nicht gepostet hab, dann merk ich selbst, dass es dabei total hakt. Sowas hab ich oft drin. Wär ich von selbst nur nie drauf gekommen Breites Grinsen

Phoenyx schrieb:Dann zeige das lieber aktiv in der Geschichte. Das brauchst du für den Leser nicht vorher noch anzudeuten. Lass die Leser das selbst entdecken.

Da hab ich dann immer das Problem, dass mir das alles zu "episch lang" wird. Manche Infos lassen sich da auch schnell im Geschehen erklären, ohne dass ich da groß was zu sagen muss, das stimmt, aber ich will nicht zu jeder Info quasi ne Szene machen müssen, dann hab ich irgendwann ~300 Kapitel.

Ich glaub, ich lass das ein paar Tage liegen und fang dann nochmal neu an.

Phoenyx schrieb:Dialoge sind nämlich auch Handlung - und zwar die aktivste und dynamischste Art von Handlung. Sie reißt den Leser sofort mit.

MonaLisa schrieb:JAAAAAAAAAAAAA endlich mal wer, der Dialoge gut findet Cuinlove Ich lese ja ganz oft, dass Dialoge nicht so gewünscht sind und ich versteh das gar nicht.

Seh ich eigentlich auch so wie ihr, nur hör ich auch oft das, was Mona gesagt hat. Nun, gut, wird mich jetzt nicht davon abhalten, aber komisch find ichs schon, dass Viele das eher als störend empfinden.

Auf jeden Fall nochmal danke dafür. Hat mich echt weiter gebracht.
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#16
Aaaaah, ich hatte gerade den zündenden Einfall, wie ich den Brief geschickt umgehen kann Cool Phoenix, du bist mein/e Held/in, ich würd dir ne Rose überreichen, wenn ich könnte Freu Du kriegst ne Widmung im Vorwort, definitiv, ich bin SO DERMAßEND gerettet Breites Grinsen Und manchmal ne Dramatikerin, ich weiß Wink2
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#17
Ach quatsch - brauchst du nicht.
Ich stehe sehr gerne mit Rat und Tat zur Seite. Ist doch schön, wenn ich mein Wissen über's Schreiben weitergeben kann. Und wenn sie dann noch helfen, ja wenn sie einem den zündenden Geistesblitz verschaffen, umso besser. Breites Grinsen
Deine Euphorie ist richtig ansteckend - und genauso soll es beim Schreiben ja auch sein. Dafür habe ich mir sehr, sehr gerne die Arbeit gemacht, und den langen Text geschrieben, auch wenn das für mich schon ein Vergnügen war.
Ich will ja Lehrerin werden - das Weitergeben von Wissen liegt mir also irgendwie im Blut Wink2

Zu den Dialogen kann ich mich nur widerholen.
Es gibt einfach nichts dynamischeres.
Ellenlange Texte, die etwas nacherzählen und erklären, seien die Sätze auch noch so kunstvoll, sind einfach auf Dauer langweilig. So lange man hier nicht einen auf Hermann Hesse machen möchte, sondern eine Geschichte, die Spaß macht, ja entertaint, lohnt es sich IMMER die Handlung zu zeigen anstatt sie nachzuerzählen und zu berichten. Und das heißt aktive Handlung und Dialoge (die zählen nämlich auch zur Handlung!).
Damit kann man fast nichts falsch machen.
Und was das angeht, WEIß ich WIRKLICH wovon ich rede!!!
Ich habe zum Beispiel schon Texte korrigiert, von jemanden, der den Schriftsteller der alten Schule Theodor Fontane (unfreiwillig) nachgemacht hat. Die Sätze zogen sich über eine halbe Din A4 Seite (so wie bei mir früher). Alles kunstvoll ausgeschmückt und kompliziert verstrickt. Erklärungen über Erklärungen. Beschreibungen über Beschreibungen. Kaum aktive Handlung. So gut wie keine Dialoge. Er dachte von sich, er sei ein schriftstellerisches Genie...schließlich ist es ja nicht einfach, einen mehrere Zeilen langen Satz zu konstruieren. Na ja, was soll ich sagen. Der Kerl war so von sich überzeugt und war der Ansicht, dass all die anderen Texte von anderen Usern mit viel Handlung und viel Dialogen, einfach nur platt seien. Zu so jemanden, kann man einfach nicht viel sagen - dass haben dann die Verlage getan, nämlich mit absolutem Stillschweigen. Keine Antwort.
Wenn man Geschichten schreibt, um andere zu entertainen, und das betrifft Romane genauso wie Fotostorys, dann geht es nicht um eine blumige, poetische, ja kunstvolle (und hier kann man kunstvoll sehr wohl als künstlich, also unecht verstehen) Sprache. Es geht um die Geschichte selbst. Und dafür sind Dialoge und aktive Handlung einfach nur das beste Werkzeug.
Bei dem Thema lasse ich mich sogar sehr, sehr gerne auf einen Streit ein.
Na hat jemand Lust?!AufsmaulBreites GrinsenBreites Grinsen

Zur Ich-Perspektive:
Du schreibst ja sehr gerne in der Ich-Perspektive. Halte auch hier meinen Rat im Hinterkopf, was ich zu dem Ich im Brief erzählt hast.
Bei dir in der Ich-Perspektive, geht das ich immer mal wieder gerne unter. Denn, ganz wichtig, dass Ich kann nur wissen und erzählen, was er selbst wahrnimmt und erzählt. Und zweitens: betone es vielleicht hier und da mal ein bisschen öfter, so wie ich es oben beim Brief schon erwähnt hatte.
Der Protagonist ist der Ich-Erzähler und dadurch sehr stark durch sich selbst beeinflusst. Seine Gefühlslage, seine Wahrnehmung, seine Gedanken.
An manchen Stellen könnte man bei dir die Ich-Perspektive sehr einfach durch die 3.Person austauschen, weil das Subjekt manchmal einfach verschwindet.

Zu den Infos:
Informationen sollte man nur dann einbauen, wenn sie ABSOLUT notwendig und nicht unumgänglich sind. Informationen sind wie Tabasco oder gemahlene Jalapenos. Man sollte mit ihnen so SPAAAARSAM umgehen wie möglich. Ich kann's nicht oft genug betonen. Vor allem Dingen, weil mir selbst manchmal gerne das Tabasco-Fläschchen aus den Händen gleitet.


So, das war's jetzt aber endgültig von mir. Nicht, dass ich noch einen auf den Deckel bekomme. Aber ich kann einfach nicht aus meiner Haut, ich liebe einfach das Schreiben.

Ich freue mich wirklich, dass du mit neuer Euphorie ans Schreiben gehst. Wie gesagt, die ist wirklich ansteckend. Werde mich auch noch an meinen eigenen Fehlerkatalog heran machen müssen. Breites Grinsen

Liebste Grüße und einen schönen Abend,
Phoenyx
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#18
Huhu Phoenyx!
Ich finde deine Beiträge total interessant und lese sie sehr gerne mit, auch wenn ich noch nichts Eigenes habe, das ich euch zum Fraß vorwerfen kann.

Ich bin auch etwas verwundert, dass ihr von Leuten erzählt, die keinen Dialog mögen? Ich liebe Dialoge. Im Gegenteil, bei löngeren Beschreibungen neige ich irgendwann dazu, sie zu überfliegen. Ich gehöre aber auch zu denjenigen, denen zu viel Beschreibung das Vorstellen der Szene nur schwieriger macht als weniger, weil ich schon nach wenigen Sätzen eine Szene im Kopf habe und mich dann Beschreibungsdetails, die dazu nicht passen, eher raushauen. Ich muss mich beim Schreiben manchmal dazu zwingen, etwas mehr zu beschreiben.
Ich finde beim Dialogeschreiben vor allem Dingen schwierig, mich nicht total in Details und hohle Floskeln zu verlieren (zehn Sätze, in denen nichts als "Guten Morgen" und "Gut geschlafen?" steht) und dass ich finde, dass meine figuren häufig sehr ähnlich sprechen. Gerade schlagfertige antworten fallen mir manchmal schwer, weil ich selbst nicht so schlagfertig bin. Aber gute Dialoge finde ich total klasse! Ds ist auch eigentlich so das, was ich auf meinen Schreibwerkstätten immer gehört habe - dass Dialoge nicht ganz einfach zu schreiben sind, aber dass gute Dialoge für einen Text nahezu unbezahlbar sind...
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#19
Hallo leieb Forengemeinde!

Nach fast einem Jahr, nachdem meine Story "Geheimnis des Ozeans" ein sehr unliebsames Ende gefunden hat, habe ich mich trotz langen Zögerns, doch wieder an eine Story gewagt. Blushnew

Diese Story geistert schon seit die Stadt Monte Vista erschien in meinem Kopf herum und ich tippsel gerade fröhlich vor mich hin. Und obwohl meine erste Story hier so unglücklich geendet hatte, bin ich ja doch froh, sie reingestellt zu haben, da ich hier so viele tolle Tipps und Tricks zum Screenen von euch bekommen habe. Diese Lernerfahrung macht sich jetzt bemerkbar und ich habe richtig Spaß daran mit den Bildern herum zu experimentieren - und es läuft fast alles wie geschmiert - FAST!

Ausgerechnet bei dem aller ersten Kapitel habe ich große Schwierigkeiten mit den Bildern!!! Vollpanik
Ich habe einfach keine Ahnung, wie ich dieses verdammte Kapitel bildnerisch passend darstellen soll. Doh Ich habe bisher 19 Kapitel bebildert und beim mehrmaligen Durchsehen stechen mir immer die Bilder des ersten unangenehm ins Auge. Ich weiß auch nicht wieso, aber sie wirken irgendwie sooo ... ausdruckslos. Wallbash
Bei den restlichen 18 Kapiteln bin ich recht zufrieden und da macht sich schon bemerkbar, dass ich letztes Jahr so viel von euch lernen konnte - aber genau dieser Fortschritt ist beim aller ersten Kapitel wie weggeblasen. Gruebel

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr die Bilder mal begutachten könntet und vielleicht habt ihr ein paar erfrischende Tipps und Tricks für mich, wie ich die Szene bildnerisch besser darstellen könnte.

Wie gesagt, ich habe mir alle Bilder mehrfach durchgesehen und immer wieder beschleicht mich das Gefühl, dass mit den ersten Bildern etwas nicht stimmt.

Vorab schon einmal vielen Dank für die Mühe.

[FONT=&quot]1. [/FONT][FONT=&quot]Kapitel[/FONT]

Tamino




[FONT=&quot]„Sie sind Americano, mh?“[/FONT]
[FONT=&quot]Das war keine Frage, sondern eine einfache Feststellung[/FONT][FONT=&quot].

[/FONT]

[Bild: 095nea1t3mx.jpg]

[FONT=&quot]
[/FONT]
[FONT=&quot]Tamino wusste nicht genau, was er darauf erwidern sollte. Er sah hinauf zu dem steinernen Klumpen, der einst sein Zuhause gewesen war, und fühlte sich wie ein Fremder. [/FONT]
[FONT=&quot]„Ich bin hier aufgewachsen“, antwortete er matt. Er hatte keinen blassen Schimmer, warum er sich überhaupt die Mühe machte, den alten Mann zu korrigieren. Hatte er nicht auch Recht? Wie viele Jahre war es jetzt her, dass er zuletzt in Monte Vista gewesen war. Neun? Oder waren es tatsächlich schon zehn?[/FONT]
[FONT=&quot]„Mhm“, hörte er den alten Mann grunzen. Er konnte seinen prüfenden Blick förmlich auf sich spüren. Sicherlich ging er gerade in Gedanken durch, wer er war. Tamino konnte nur hoffen, dass das alte Gedächtnis den Mann noch eine ganze Weile lang in Stich ließ. Zumindest lange genug bis Tamino sich damit arrangiert hatte, wieder hier zu sein. Er konnte es immer noch nicht fassen. Hatte er sich nicht geschworen, dass eher die Hölle zufriert, ehe er wieder einen Fuß in dieses Kaff setzte?[/FONT]
[FONT=&quot]„Wie auch immer“, erwiderte der Mann und machte eine wegwerfende Bewegung. Tamino hatte Glück. Dem Mann wollte tatsächlich nicht einfallen, wer er war. Kein Wunder! Waren doch zahlreiche junge Männer aus der kleinen toskanischen Einöde fortgegangen, um woanders ihr Glück zu suchen. Tamino war nur einer von Vielen gewesen und er hoffte, dass niemand ihn so schnell mit dem klapprigen Teenager in Verbindung brachte, der er damals gewesen war. [/FONT]
[FONT=&quot]„Also doch Americano“, entschied der alte Mann und Tamino beließ es dabei. Der Mann frimelte den Schlüssel aus seiner Hosentasche und lief an ihm vorbei. „Das Haus ist recht klein – aber so ist es nun einmal in der Stadt“, begann er seinen Verkaufsvortrag. Tamino folgte ihm schweigend.

[/FONT]

[Bild: 1fkyx17ol4q.jpg]

[FONT=&quot]
[/FONT]
[FONT=&quot]Es war ein merkwürdiges Gefühl wieder diese alten Steinstufen hoch zu steigen und vor seiner alten Haustür zu stehen. [/FONT]
[FONT=&quot]„Aber für einen alleinstehenden Mann, wie Sie, reicht es allemal – oder haben Sie Familia?“ Schon wieder ein prüfender Blick.[/FONT]

[Bild: 2c87p5g4rdz.jpg]


[FONT=&quot] Die Neugier quoll dem Mann förmlich aus seinen alten, braunen Augen, doch Tamino gab sich alle Mühe ungerührt zu wirken. Trotzdem brachte er nicht mehr als ein kurzes, dennoch entschiedenes Kopfschütteln zustande. Tamino konnte sehen, dass der Mann etwas enttäuscht war. Er hatte sich anscheinend erhofft, ein paar Informationen über den neuen Mitbürger von Monte Vista zu ergattern. Damit hatte Tamino gerechnet. In Monte Vista wusste jeder über jeden Bescheid – zumindest glaubten die Leute das. [/FONT]
[FONT=&quot]Der Mann schloss die Tür auf und ging hinein. „Die Küche ist ziemlich groß – für die Verhältnisse versteht sich. Das Untergeschoss ist als Keller und Garage ausgebaut. Oben befindet sich ein Bad und das Schlafzimmer.“[/FONT]

[Bild: 3u8qfn01trv.jpg]


[FONT=&quot]Tamino hörte nur halb zu, wie der Makler ihm sein altes Zuhause vorstellte. Er war überrascht. Es sah anders aus, als er es in Erinnerung hatte. Die Fenster waren ausgetauscht worden, die Wände neu verputzt – nur die alten Holzdielen hatte man erhalten. Wahrscheinlich hatte man geglaubt, dass sie dem Haus rustikalen Charme verliehen. Tamino fand sie einfach nur alt und schäbig. [/FONT]
[FONT=&quot]„Die Lage ist erstklassig. Innerhalb der Stadtmauern können Sie alles zu Fuß erreichen. Trotzdem lohnt sich ein Auto. Einen Stellplatz haben Sie mit dem Haus ja zur Verfügung. Je nach dem müssen Sie eine Weile fahren, bevor sie einige Einrichtungen erreichen. Das Krankenhaus befindet sich zum Beispiel nicht auf der Insel, sondern auf dem Festland. Darf ich Fragen, welchen Beruf sie ausüben?“, plapperte der Makler weiter, dessen Namen Tamino schon im selben Moment vergessen hatte, als er ihn genannt hatte. [/FONT]
[FONT=&quot]„Wo muss ich unterschreiben?“, fragte er den Makler und ignorierte den erneuten Versuch ihn auszuquetschen. Seine Stimme hörte sich in seinen eigenen Ohren fremd an. Es war ungewohnt, sich selbst wieder Italienisch sprechen zu hören. Es war stumpf und bröcklig, nicht so geschmeidig wie die sonore Stimme des Maklers. Kein Wunder, dass dieser ihn Americano nannte. [/FONT]

[Bild: 4pwt7mj19cx.jpg]


[FONT=&quot]„Aber Signor, Sie haben doch noch gar nicht das ganze Haus gesehen!“, entgegnete der Makler. Mit Sicherheit war er über diesen eigenartigen Käufer verwirrt, allerdings war er professionell genug, sich kaum etwas anmerken zu lassen. „Sie müssen einfach die Terrasse sehen. Von dort aus hat man einen fantastischen Blick auf die Innenstadt von Monte Vista.“ Er machte Anstalten auf die Terrassentür zuzugehen. „Das müssen Sie unbedingt noch sehen!“[/FONT]
[FONT=&quot]„Ich verzichte“, entgegnete Tamino kühl und wandte sich nun direkt dem Makler zu. Er hatte die Maskerade satt und wollte diese Unannehmlichkeit so schnell wie möglich hinter sich bringen.[/FONT]

[Bild: 5tk2v065fbq.jpg]


[FONT=&quot] „Ich brauche ein Dach über den Kopf – das ist alles. Ich nehme an, dieses Haus besitzt eins?“[/FONT]
[FONT=&quot]„Si, Signor. Aber natürlich!“ Jetzt spitzte sich die Verwirrung des Maklers so zu, dass er sie kaum mehr verbergen konnte. Tamino war es gleichgültig. [/FONT]
[FONT=&quot]„Und am Telefon versicherten Sie mir, dass das Haus sofort zum Bezug bereitsteht?“, vergewisserte er sich. [/FONT]
[FONT=&quot]„Nun, Signor White, es ist ungewöhnlich, stellt aber kein Problem dar“, entgegnete er ihm, jedoch mit einer Spur Misstrauen in der Stimme. [/FONT]

[Bild: 6u1lw7snq8m.jpg]


[FONT=&quot]Auch das ignorierte Tamino, genauso wie das Stechen in seiner Brust, das aufkam, als der Makler ihn mit seinem Nachnamen ansprach. Nein, dachte er, ihren Namen. Doch er nickte bloß, meißelte seine Maske in Stein. [/FONT]
[FONT=&quot]„Wie sie wünschen, der Vertrag!“, brummte der Makler schließlich. Tamino nahm den Vertrag entgegen und unterschrieb eilig. Danach faltete er das Papier sorgsam zusammen und reichte es dem Mann. [/FONT]
[FONT=&quot]„Vielen Dank, Signor …“[/FONT]
[FONT=&quot]„Tozzi!“[/FONT]
[FONT=&quot]„Vielen Dank, Signor Tozzi“, wiederholte Tamino seelenruhig. „Es war mir eine Freude mit ihnen Geschäfte zu machen.“ Er reichte dem Makler die Hand. Widerwillig verstaute dieser den Vertrag in seine Anzugtasche ohne hineinzusehen, nahm die Hand entgegen und schüttelte sie knapp. [/FONT]
[FONT=&quot]„Willkommen in Monte Vista, Signor White. Ich hoffe, Sie fühlen sich hier bald wie Zuhause!“[/FONT]

[Bild: 7ro0gedvbia.jpg]


[FONT=&quot]Der schneidende Unterton in seiner Stimme war kaum zu überhören. Und nicht nur das. Mit einem Schlag schien Signor Tozzi seine Fassung und seine professionelle Haltung angesichts dieses eigenartigen Kunden vergessen zu haben. Seine Missbilligung war kaum noch zu übersehen. [/FONT]
[FONT=&quot]Taminos Mund verzerrte sich zu einem freudlosen Lächeln. Er war kaum erst seit einer Stunde in Monte Vista und schon schlüpfte er wieder in die Rolle des undankbaren Mistkerls. [/FONT]
[FONT=&quot]Der Makler reichte ihm ohne ein weiteres Wort die Schlüssel und stapfte an ihm vorbei zur Haustür. Verloren blieb Tamino im Raum zurück. [/FONT]

[Bild: 8v5iqpnm8hl.jpg]


[FONT=&quot]Er fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis Signor Tozzi den Vertrag aufschlug und die Unterschrift darauf entdeckte. [/FONT]



Vielleicht seht ihr ja, was ich meine. Die Bilder wirken irgendwie seeehr undynamisch und beinahe trostlos - zumindest diese im Haus. Irgendwie herrscht zwischen den Bildern und Text eine Diskrepanz.
Ich hoffe, ihr könnt mir da ein bisschen weiter helfen. Fremde Augen sehen und lesen die Dinge ja immer etwas anders, als die eigenen - und daher sind Fehler manchmal schneller auszumachen.

Liebste Grüße,
Phoenyx

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#20
Ich selbst bin da zwar gar nicht der richtige Ansprechpartner, wenn es um "richtiges" Screenen geht, aber ich möchte dir einfach meine Eindrücke dalassen. Bestimmt meldet sich hier aber noch jemand zu Wort, der dir wirklich nützliche Tipps geben kann.

Also ich persönlich finde sie gar nicht so schlecht und dass sie für dich vor allem im Haus so "trostlos" wirken, könnte vielleicht auch an dem Haus liegen. Die helle Wand im Hintergrund empfinde ich schon als sehr dominant - vor allem durch den Rauhputz. Aber irgendwie passt es doch auch wieder zu Taminos Stimmung, oder?

An der Stelle, an der du schreibst, dass Tamino "verloren" zurückbleibt, finde ich schon, dass das aus dem Bild und seinem Blick auch hervorgeht.

Jedenfalls bin ich jetzt schon ganz gespannt wie es weiter geht und weshalb Tamino nun doch "in dieses Kaff" zurückgekehrt ist. Freue mich also bald wieder von dir zu lesen. Nicken
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