Sims 3

Die Sims: Mittelalter Spielbericht

Freynan am um 22:40 Uhr

Knapp einen Monat vor dem Release von Die Sims: Mittelalter bot sich uns die Gelegenheit, den neusten Ableger der Sims-Reihe einmal selbst anzuspielen – und das an einem Ort, wie er passender nicht hätte sein können. EA hatte aufs englische Hever Castle geladen, wo uns etwa vier Stunden zur Verfügung standen, eine bereits recht weit gediehene Version von Die Sims: Mittelalter in deutscher Sprachausgabe in Augenschein zu nehmen sowie Screenshots und Videos vom Spielgeschehen anzufertigen.

Auch wenn sich das Gerücht, bei Die Sims: Mittelalter handele es sich um Die Sims 4 oder eine Erweiterung zu Die Sims 3, hartnäckig hält, so sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, dass dem definitiv nicht so ist. Die Sims: Mittelalter ist zwar ein Spiel, welches zahlreiche Gemeinsamkeiten mit der Hauptserie aufweist, jedoch an sich eigenständig ist.

Im Verlauf dieser Vorschau liegt das Hauptaugenmerk auf den subjektiven Eindrücken, die sich uns darboten. Wer sich hauptsächlich für Fakten rund um die Sims Mittelalter interessiert, dem sei unser Artikel “Erste Eindrücke” ans Herz gelegt.

Erste Schritte, Helden, CAS

Bereits das Intro zu Die Sims: Mittelalter, welches im Erzählstil der “Es-war-einmal-Trailer” gestaltet ist, sorgte für eine mittelalterlich-märchenhafte Grundstimmung, die – soviel sei vorweg erraten – durch verschiedene Mechanismen über die vier Stunden unserer Spielzeit gekonnt aufrecht erhalten wurde. Nachdem der optisch ansprechenden Ladebildschirm verschwunden war, stürzten wir uns direkt ins Tutorial und machten uns mit den grundlegenden Spielabläufen vertraut, die Kennern von Die Sims 3 jedoch keine allzu große Eingewöhnungszeit abverlangen dürften. Große Teile des User Interfaces sind aus Die Sims 3 entlehnt, was ebenso für Bedienungselemente gilt. Lediglich dem neuen Taktik-Modus mit seinen Menüs, die Aufschluss über Quests, den Zustand des Königreiches etc. geben, sollte ein wenig mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

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Da in Die Sims: Mittelalter das eigentliche Hauptziel darin besteht, einem Königreich nach vorher definierten Kriterien zum Erfolg zu führen, bedarf es zunächst natürlich eines Königreiches und eines Regenten. Hierbei steht es dem Spieler frei, dem Königreich einen Namen seiner Wahl zu verleihen und einen Monarchen einzusetzen, der gleichzeitig die erste von insgesamt 10 Heldenklasse darstellt, die man in Die Sims: Mittelalter nach und nach durch den Bau bestimmter Gebäude freischaltet. “Held” ist in die Sims: Mittelalter de facto schlichtweg die Bezeichnung der Sims, die vom Spieler gesteuert werden können und die sich durch das Charakteristikum ihres “Berufes” unterscheiden. Die Heldenklassen in Die Sims: Mittelalter sind: Arzt, Barde, Händler, Jakobianischer Priester, Monarch, Petrischer Priester, Ritter, Schmied, Spion und Zauberer. Bei Quests, die einen großen inhaltlichen Bestandteil der mittelalterlichen Lebenssimulation ausmachen können bis zu drei dieser Helden zusammenarbeiten und bilden so quasi eine “Familie” auf Zeit.

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Bei der Auswahl eines Helden – in diesem Fall des Monarchen – kann jeweils aus zwei vorgefertigten Charakteren ausgewählt oder nach eigenen Vorstellungen ein Held kreiert werden. Selbstverständlich ließen wir uns es nicht nehmen, selbst einen Herrscher zu erstellen, der wohl getrost als Archetyp eines Königs bezeichnet werden darf – was er zu Beginn jedoch nicht ist, denn jeder Held beginnt auf einer niedrigen  Rangstufe und muss sich erst höhere Titel verdienen. Demnach ist der König zu Beginn seiner Regentschaft gar kein König, sondern ein Graf und das Königreich somit lediglich eine kleine Grafschaft. Die Erschaffung eines Helden im Erstelle-einen-Sim-Modus läuft exakt so ab, wie auch in Die Sims 3. Jeder Held kann auf einen Fundus, auf ihn zugeschnittener Garderoben zurückgreifen, der zwar nicht ganz so üppig bestückt ist, wie man es nach mehreren Erweiterungen von Sims 3 gewöhnt ist, dafür jedoch um so stimmigere, teils authentische, mit viel Liebe zum Detail gestaltete Kleidungsstücke und Accessoires beinhaltet. Körperliche Merkmale können ebenso angepasst werden, wie Stimme und Charaktermerkmale. Von letzteren kann ein Sim in Die Sims: Mittelalter jedoch nur noch drei aufweisen. Aus 21 “normalen” Merkmalen sind zwei zu wählen, bevor noch eine “Schwäche” bestimmt werden muss, von denen insgesamt 16 zur Auswahl stehen. Unser König war zwar freundlich und engagiert, jedoch leider auch ein Vielfraß, weswegen er – wie sich später herausstellen sollte – andauernd Hunger litt.

Gebäude, Quests und Königreich

Nachdem der Monarch – der auch eine Monarchin sein kann, da Helden jeweils in beiden Geschlechtern zur Verfügung stehen – erstellt ist, kann er einen ersten Blick auf sein zukünftiges Königreich werfen. Das Königreich entspricht dem, was in Die Sims 3 als Stadt oder Nachbarschaft bezeichnet wird. Hier spielen sich alle relevanten Handlungen ab, werden die neuen Gebäude errichtet oder Quests absolviert.
Am Anfang überragt das kleine Schloss nicht viel mehr als eine ansehnliche Bilderbuchlandschaft, wo weiße Schäfchenwolken am Himmel vorbeiziehen und Vogelschwärme ihre Kreise ziehen, bis die Nacht hereinbricht und der Mond das Königreich in ein geheimnisvolles Licht taucht. Erst im Verlauf des Spiels können zusätzliche Gebäude durch einen tiefen Griff in die königliche Schatzschatulle erbaut und somit freigeschaltet werden.

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Sämtliche Gebäude oder Gebäudeteile (manche Bauten, wie etwa das Schloss, verfügen über mehrere Ausbaustufen), sind vordefiniert und können nur im Rahmen eines bestimmten Winkels, ähnlich einer Puppenstube, eingesehen werden. Was passionierte Freizeitarchitekten sicherlich zurecht abschreckt, fügt sich jedoch hervorragend in das rundum stimmige Gesamtkonzept von Die Sims: Mittelalter ein und versprüht einen ganz besonderen Charme. Individualisierungsmöglichkeiten für die einzelnen Gebäude gibt es hingegen reichlich. Mittels des Create-A-Style-Modus lassen sich beinahe alle Vorstellungen davon umsetzen, wie solch eine mittelalterliche “Puppenstube” auszusehen hat, die zusätzlich mit zahlreichen Objekten aus dem Kauf-Modus erweitert werden kann. Egal wie viel Mühe wir uns gaben, eine höchst unmittelalterlich anmutende Behausung zu erstellen, es wollte uns nicht gelingen. Hier haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet. Den Preis für eine möglichst authentische und stimmige Mittelalterwelt müssen so wohl oder übel die passionierten Architekten zahlen. Individuell gestaltete Gebäude ließen sich damit nämlich nicht vereinbaren, wie uns glaubhaft von Producerseite versichert wurde.

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Zurück zu unserem König, der nach der Ankunft in seinem Reich zunächst feststellt, dass sein Thronsaal in Ermangelung eines Thrones diesen Namen gar nicht verdient. So wird er prompt auf seine erste Quest geschickt, die ihn in den Wald führt, wo es Holz für den Bau eines entsprechenden Sitzmöbels zu besorgen gilt. Der Wald ist eine von mehreren sogenannten Rabbit Holes, an deren “Eingängen” sich zahlreiche Szenen im Spiel zutragen, die, wenn sie ein Held betritt, jedoch nicht einzusehen sind. Führt eine Quest den Helden in ein solches Gebiet bekommt man als Spieler jedoch Rückmeldungen über die Geschehnisse dort in Form eines Bilderbuches präsentiert – äußerst stimmungsvoll.
Hat ein Held eine Aufgabe erfolgreich bewältigt, winken ihm die zuvor ausgelobten Belohnungen für die Quest. Neben Königreichpunkten, Erfahrungspunkten und Simoleons können diese auch zusätzlich in Objekten beinhalten, die z.B. ein Schmied für die Herstellung bestimmter Objekte benötigt. Wenn die Quest durch eine Handlung jedoch noch nicht abgeschlossen ist, wird dem Spieler ein neues Ziel zugewiesen. Oftmals besteht dieses darin, mit un- oder bestimmten Leuten zu reden oder an einem gewissen Ort eine Interaktion durchzuführen. Quests gibt es in Die Sims: Mittelalter zuhauf und nicht jede kann auch mit jedem Held absolviert werden. Ebenso können viele Quests mit einer unterschiedlichen Zielsetzung begonnen werden, was in der Summe große Abwechslung und langandauernden Spielspaß verspricht, denn viele der Quests bieten unterhaltsame oder witzige Story-Passagen, die einem selbst so profanen Dingen, wie dem Pflücken von Blumen, noch etwas abgewinnen lassen. Für die Quests relevante Personen werden oftmals mit einem Symbol – ähnlich dem in Die Sims 3: Reiseabenteuer – kenntlich gemacht, so dass nervtötende Suchorgien ausbleiben.

Zusätzlich zu den Hauptquests, erhalten Helden jeden Tag um 9 Uhr morgens zwei Tagesaufgaben, die sie zusätzlich absolvieren können.

sims_mittelalter_125 Auch wenn in die Sims: Mittelalter Bedürfnisse nur noch eine untergeordnete Rolle spielen – man war damals eben nicht so anspruchsvoll wie heutzutage – so ist dennoch stets darauf zu achten, dass ein Held genug isst und Energie tankt; ansonsten verfärbt sich sein eisenbeschlagenes Plumbob über dem Kopf schnell von giftgrün in blutrot und signalisiert so, dass die Konzentration des Bildschirmalteregos arg zu wünschen übrig lässt, was die Ausübung von Quests doch erheblich erschwert.

Interaktionen und zwischensimlische Kontakte sind auch in Die Sims: Mittelalter von großer Bedeutung. So lässt sich auch hier bei einem Plausch herausfinden, über welche Merkmale andere Sims verfügen oder in einem Schwertkampf ergründen, wer denn nun der stärkere ist.

Nachdem wir unserem Monarchen einige Zeit dabei behilflich waren, sein Königreich aufzubauen, fanden wir, es sei an der Zeit, ihn seine Kräfte mit denen des Monsters zu messen, welches in der Grube der Gerechtigkeit haust. Übermut tut bekanntlich selten gut – und so machte unser Monarch kurzerhand Bekanntschaft mit dem Sensenmann, woraufhin seine Regentschaft als die kürzeste in ganz Freynanien in die Analen der Geschichte einging. Dies ließ uns noch ein wenig Zeit ein Savegame zu laden, in welchem ein schon beinahe voll ausgebautes Königreich zu bewundern war.

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So ein voll ausgebautes Königreich sieht nicht nur prächtig aus, sondern es ließen sich auf diese Weise auch noch einige andere Helden, wie z.B. eine Zauberin, ein Priester ein Schmied und ein Ritter kurz unter die Lupe nehmen und es reifte die Erkenntnis, dass sich jede Heldenklasse angenehm eindeutig von den jeweils anderen unterschied.  Aber abseits des “Questaltags” machte es einstweilen auch Spaß, einfach nur den Bewohnern bei der Erledigung ihres Tagwerkes oder anderer Aktivitäten zuzuschauen oder die detailreichen Gebäude genauer unter die Lupe zu nehmen.

Fazit:

Die Sims: Mittelalter vereinigt gekonnt erzählerische Elemente mit einem märchenhaft angehauchten Mittelalterszenario, nimmt dabei leichte Anleihen bei RPGs, setzt an vielen Stellen auf altbekannte Stärken der Sims-Serie und wandelt diese – wo notwenig – entsprechend ab. Der Spagat, etwas Neues zu erschaffen, ohne gänzlich den Bezug zu den Sims zu verlieren scheint größtenteils geglückt. Besonders optisch macht Die Sims: Mittelalter einiges her und begeistert mit der Liebe zum Detail. Einzig wer Die Sims 3 hauptsächlich als Architektursimulation schätzte, mit Geschichten und einem Mittelalter-Setting überhaupt nichts anzufangen weiß, wird sich mit Die Sims: Mittelalter wohl schwer tun. Alle anderen erwartet ein gut durchdachter und stimmiger Sims-Titel, der so manchen sicherlich positiv zu überraschen weiß, der kein Erweiterungs-Pack zu Die Sims 3 Erwartet. Den das ist Die Sims Mittelalter nicht und versucht es auch gar nicht zu sein.

Screenshots:

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